Free Republic

Viel Lärm um wenig

Polizeilich untersagt! Damit schien das Schicksal der Free Republic 2003 besiegelt. Dann fand sie doch statt: laut, heiß, stark politisch und schwach besucht.

von Andreas Kremla


Wie in alten Zeiten! Man weiß es wird etwas geben, mit viel Sound, mit politischer Message. Man weiß es ist nicht genehmigt, und man weiß nicht, wo es sein wird. Erst eine Stunde vor Beginn sollte man das via Info-Hotline auf einer Handy-Mailbox erfahren. Nachdem die Free Republic am Karlsplatz untersagt wurde, gingen die Veranstalter in den organisatorischen Untergrund. Und erinnerten damit an die illegalen Raves der frühen neunziger Jahre.

Sound mit System

Am Tag des großen Ereignisses ist es dann nicht ganz so spektakulär. Am Burgring, zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum, gab es doch noch grünes Licht für die Parade. Womit die Location auch schon am Vortag bekannt war. Von den ursprünglich angekündigten 36 Soundsystemen ist nur ein Drittel übrig geblieben. In weitem Kreis stehen sie auf ihren Trucks um das Maria-Theresien-Denkmal im barocken Museumspark. Mit viel Bass und wenig Soundqualität beschallen sie die alte Kaiserin im Techno-Beat. Plus einige hundert jugendliche Besucher, die sich in der sengenden Hitze um den Bierstand und die Schattenplätze drängen.

Politisch paradox

Am Karlsplatz wurde die statische Straßenbeschallung unter anderem nicht genehmigt, weil es sich laut Polizei um keine politische Demonstration handle. Im Gegensatz zu den Vorjahren, wo die Free Republic um den Ring zog, und keiner an ihrer Demo-Charakter zweifelte. Organisator Martin Wassermair: "Wir haben uns auch ein entsprechendes Rechtsgutachten eingeholt, das astrein bestätigt, dass es eine politische Kundgebung ist." Mit Erfolg. Nach einigen Tagen Ungewissheit darf die Sound-Demonstration wieder als politisch gelten - und auch heuer für freie kulturelle Äußerung und mehr Raum in der Stadt eintreten.

Message kommt an

Medienvielfalt, Abschaffung der Schubhaft, "selbstbestimmter Rausch", gleiche Rechte für MigrantInnen. So lauten einige der vielen Agenda auf der Free Republic 2003. Offenbar leben Paraden mit Parolen länger. Die große und unpolitische Love Parade musste im Frühjahr Konkurs anmelden. Die Free Republic wird es voraussichtlich auch nächstes Jahr wieder geben. "Politische Inhalte motivieren immer" meint Wassermair dazu lakonisch. Eine Musik-Demo mit Message steht auch heuer noch auf dem Programm: die Regenbogen Parade am 28. Juni.

Wenig Aufmerksamkeit

In einem Punkt wird der Umzug der Schwulen und Lesben die Free Republic sicher übertreffen: bei den Besucherzahlen. Gerade mal 5000 Besucher erwarten die Veranstalter bis sie um 22 Uhr die Regler wieder abdrehen müssen. Die schwitzenden Einsatzleiter der Polizei wollen sich zu keiner Schätzung hinreißen lassen. "Eh nix los" ist der einzige Kommentar, der sich ihnen entlocken lässt. Doch die Organisatoren zeigen sich zufrieden: "Wir erreichen unser Publikum" kommentiert Wassermair, seine Kollegin Brigitte Schröpel lobt auch die Zielerreichung: "Es stört, es ist laut - und das ist ja der Sinn und Zweck des heutigen Tages.".

Weniger zufrieden ist Schröpel mit der Berichterstattung und spricht davon, "richtig ignoriert zu werden". Gleich wie man zu Inhalten und Sound der Free Republic steht: Eine politische Kundgebung, die als "unpolitisch" untersagt wird, verdient allein deswegen mediale Aufmerksamkeit.